· Allgemein · von Gabi Putze
Macht äußerer Reichtum tatsächlich glücklich?

Wenn ich der/die/das – Kleid, Reise, Auto, Gewinn, Tasche, Haus, Figur, Position, volles Bankkonto, VIP-Einladung usw. – habe, dann bin ich glücklich!
Liebe Leser, als Therapeutin und Coach bin ich einigen Menschen begegnet, die sich, was materielle Dinge angeht, ziemlich viele Wünsche erfüllen konnten. Lernt man verzweifelte „reiche“ Menschen eingehender kennen, entdeckt man relativ schnell den Mangel an Selbstliebe, Vertrauen, Wertschätzung, Dankbarkeit, Achtsamkeit, innerer Sicherheit, Lebensfreude, Frieden und Gönnerhaftigkeit.
Ein Fallbeispiel aus meiner Praxis
Die Dame saß wie ein Häuflein Elend vor mir. Ihr kullerten schon bei der Begrüßung Tränen über die Wangen. Bald war klar: Trotz äußerem Luxus überwiegen bei ihr Traurigkeit und mangelnder Selbstwert. Sie fühlte sich permanent unter Stress, da sie einen enormen Energieaufwand betrieb, um ihrem Umfeld zu gefallen.
Ob Make-up, Kleidung oder Haare – für sie musste alles wie aus dem Ei gepellt sein. Ihrer Meinung nach wird das von der Gesellschaft erwartet. Über die Jahre haben sich verstärkt Minderwertigkeitskomplexe gegenüber ihrem Ehemann eingeschlichen. Die Folge daraus war, dass er immer mehr den Respekt und die Achtung vor ihr verlor. Das hatte zur Folge, dass er grundsätzlich nur noch unternahm, was ihm Freude bereitete.
Ihn interessierten ihre Bedürfnisse nicht mehr. Sie fühlte sich nur noch frei, wenn er auf Geschäftsreisen war. Veranstaltungen sowie private Einladungen aus ihren Unternehmerkreisen waren für sie inzwischen der blanke Horror. Sie fühlte sich in Gesellschaft von anderen, die ihrer Ansicht nach jünger, hübscher und klüger waren, unwohl und beäugt.
Die Angst, andere könnten mit ihr in einen Dialog einsteigen, der ihrem Horizont überlegen sein könnte, führte bei ihr zu Schweißausbrüchen. Reisen in ferne Länder, von denen andere nur träumen können, empfand sie einfach nur als anstrengend. Alleine das Kofferpacken machte ihr große Mühe, denn es muss ja vom Scheitel bis zur Sohle alles perfekt sein,
war ihre Überzeugung; was sagen sonst die anderen?
Es lag ein hartes Stück Arbeit vor uns,
das sich im Nachhinein als sehr lohnenswert herauskristallisierte. Schritt für Schritt arbeiteten wir gemeinsam an ihrem inneren Reichtum. Ihre Lust auf Leben und Freiheit wuchs Tag für Tag. Alte Glaubensmuster, man spricht auch von Überzeugungen, wurden durch Transformationsarbeit – natürlich nicht von heute auf morgen – entrümpelt. Sie erledigte ihre Hausaufgaben und arbeitete ihre von mir vorgeschlagene To-do-Liste fein säuberlich ab.
Diese wundervolle Dame hatte so einen Tatendrang, in die Selbstverantwortung zu gehen. Sie war bereit, ihre Ärmel hochzukrempeln, um Selbstliebe, Dankbarkeit, Vergebung, Achtsamkeit und Wertschätzung in ihren Alltag einzubauen. Natürlich reagiert das Universum ebenfalls und liefert, was die neuen Überzeugungen aussenden. Im genannten Beispiel fielen positivere Verhaltensweisen ihres Ehemanns immer mehr auf. Auf Veranstaltungen fühlte sie sich lockerer und konnte den Luxus immer mehr genießen.
Bei unserem letzten Treffen machte sie auf mich einen sehr fröhlichen und lebensbejahenden Eindruck. Vor mir saß inzwischen eine selbstbewusste, wunderschöne Frau, die verstanden hat: Nur wenn sie sich verändert, verändern sich die Lebensumstände im Außen. Heute weiß sie, dass es auf den inneren Reichtum ankommt, um wirklich glücklich zu sein. Ihren äußeren Reichtum kann sie durch die Tugenden Freude und Dankbarkeit immer mehr genießen.
Wie schnell tritt man durch Beleidigungen in die Falle einer Lüge
Sie mag lauten: Wer bist du schon – was hast du in deinem Leben denn schon geleistet – ohne mich wärst du ein Nichts – schau dich doch mal im Spiegel an, wie fett, alt, faltig du aussiehst. Und man glaubt diesen Unsinn.
Menschen, die ihre Mitmenschen beleidigen und erniedrigen, erzählen ihre eigene Geschichte von Schwäche, mangelndem Selbstwert, Zweifeln und Ängsten. Wer mit einem Finger auf sein Gegenüber zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst; teste es selbst einmal aus.
Bei einem Treffen in München mit einer wunderbaren Dame, die sich in der sogenannten „High Society“ bewegt, erzählte sie mir aus ihrem Leben. Bei ihr war das oben Beschriebene, was Beleidigungen und Erniedrigungen angeht, fast schon zum Alltag geworden.
Sie fing an, diese Lügen zu glauben, und es machte sie bei öffentlichen Auftritten (sie war die begleitende Person an der Seite einer Berühmtheit) mit der Zeit sehr unsicher. Gefühlte hundertmal huschte sie während einer Veranstaltung auf die Damentoilette, um einen Blick in den Spiegel zu werfen, ob alles noch im grünen Bereich ist.
Sie entschied sich dafür, die Spur in ihrem Leben zu wechseln, und fand den Weg zu sich selbst. Schritt für Schritt erreichte sie mehr Selbstwert und Lebensfreude. Der Zwang, ständig in einen Spiegel zu schauen, hat sich ebenfalls minimiert.
Meine lieben Leser,
falls ihr euch von diesem Artikel in irgendeiner Art und Weise angesprochen fühlt, beginnt jetzt, ein neues Kapitel in eurem Leben zu schreiben; es ist nie zu spät. Wir sind die Gärtner und säen Samen in unser geistiges Beet. Es liegt alleine an uns selbst, welche Qualität an Samen wir ausbringen und wie viel Aufmerksamkeit dieses neue Beet bekommt.
Das Geniale ist: Wir können in jedem Augenblick neuen Samen ausbringen. Meine persönliche Vorgehensweise ist die Entrückung vom realen Gartenbeet in ein imaginäres Beet, in dem ein neuer Samen ausgebracht wird. Mit viel Liebe, frei von Erwartungen und mit stetiger Aufmerksamkeit werden prächtige Früchte hervorgehen.
In dieser Art von Entrückung gibt es keine Zweifel und keine Ängste. An diesem imaginären Ort ist alles möglich. Ich wünsche euch von ganzem Herzen gutes Gelingen bei der Gartenarbeit.
Von Herzen
Deine Gabi
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